Lebensernte

„Lebensernte“

Preis: 24,00 €

Umfang: 241 Seiten

Books on Demand

Festeinband, Klebebindung, Umschlag vierfarbig

cellophaniert, ISBN 978-3-8370-4960-2

Exposé

Der Roman „Lebensernte“ ist ein in der dritten Person erzählter Reisebericht. Erzählt wird die Geschichte einer Bootsreise durch halb Europa. Der soeben zum Rentner gewordene Hans Milbach aus einem Dorf an der Mosel begibt sich direkt nach seiner Pensionierung zusammen mit seiner Frau Eva und Kater Philos auf Reisen mit dem eigenen Boot, einer seetauglichen, 10 Tonnen schweren Motor-Yacht. Die Fahrt geht zunächst nach Osten, die Suche nach innen.

Hans wird getrieben von innerer Unruhe. Ängstlich fragt er sich, was der letzte Lebensabschnitt für ihn bereit halten wird. Was bleibt zu tun, wenn die berufliche Karriere unwiederbringlich zu Ende ist und keine ambitionierten Aufgaben mehr warten? Liegt die letzte Herausforderung für einen agilen und wissensdurstigen Mann nur noch in der Frage, wie die Zeit bis zum Tod möglichst angenehm verbracht werden kann? Soll der letzte Lebensabschnitt, die „Lebensernte“, wirklich nur noch ein langweiliges Dahindämmern sein? Eine entsetzliche Vorstellung, denn nach seiner Auffassung darf die Entwicklung eines Menschen niemals aufhören, auch im Alter nicht.

Die Reise führt rheinabwärts und den Mittelland-Kanal entlang in die neuen Bundesländer. Von dort geht es nach Polen, über Usedom und Rügen durch die Ostsee zurück nach Deutschland und hinüber nach Holland ans IJsselmeer. Belgien und Frankreich werden bereist, bevor die heimische Mosel wieder erreicht wird. Auf seiner Reise durch die europäischen Regionen studiert Hans die Menschen und deren unterschiedliche Mentalitäten. Gleichzeitig befragt er sich selbst nach seinen Zielen und Wünschen. Mehrere einschneidende Reiseerlebnisse führen ihn schließlich an einen Punkt, an dem er sagen kann, was er von sich und seiner eigenen „Reife“ erwartet.

Leseprobe

Leichter Nebel kam auf. Ein Land so fremd wie Avalon, dachte Hans. Das dunkle Wasser des kanalisierten Flusses sog den Rest des Lichtes auf. Büsche und Bäume rauschten, ein nasskalter Wind fegte von Steuerbord über das flache, von kleinen Wasserläufen durchzogene Land. Einzelne Böen rüttelten kräftig an der Persenning, die sich wie ein Segel aufblähte und das Boot gelegentlich leicht ins Schwanken brachte. Wenn Hans zurückblickte, sah er nicht weiter als zwei-, dreihundert Meter. Man könnte meinen, dachte er, diese Gegend verschwindet, wenn man sie durchfahren hat.

Hans Milbach war kein Mensch, der sich schnell entmutigen ließ. Allerdings war es im Augenblick so, dass er tief sitzende Befürchtungen eher bestätigt als widerlegt sah. Dennoch war er realistisch genug, die kleinen Unerfreulichkeiten der letzten zwei Tage nicht als Ouvertüre für die Reise durch Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern, Berlin und Brandenburg zu werten. Eines stand für ihn fest: Eine Gesamtschau konnte es erst geben, wenn die Seenplatte zwischen Schwerin und Berlin hinter ihnen lag. Und auch dann würde er sich mit Festlegungen zurückhalten.

Er hatte stets ein Problem mit Menschen, die durch ein Gebiet reisten, dort immer kompetente Leute trafen, nach eigenem Bekunden nur Schlüsselfragen stellten, Meinungen sammelten und dann einen logischen Bericht abfassten, der eher einer Straßenkarte ähnelte als dem Stimmungsbild einer Region. Er hatte eine gewisse Art von Bewunderung für diese Menschen ob ihres schnellen Urteils - und misstraute ihnen dennoch. Nach seiner Überzeugung gab es einfach zu viele Wahrheiten, als dass ein Einzelner sie erfassen könnte. Ihm war völlig klar, dass das, was er erlebt hatte, nur solange wahr war, bis ein anderer die gleiche Strecke fuhr und die Welt nach seinem Bilde ordnete.

Hans erinnerte sich an eine Begebenheit vor drei Jahren. Auf der Rückreise von Paris trafen sie im Hafen von Trier ein Ehepaar, das den gleichen Turn zur gleichen Zeit wie sie gemacht hatte. Erstaunlicherweise waren sie sich auf der Reise nie begegnet, zumindest hatten sie sich nicht wahrgenommen. Abends bei einem Glas Moselwein hatten sie ihre Erlebnisse ausgetauscht und dabei eine verblüffende Feststellung gemacht: Die Schilderungen der Reiseerlebnisse des einen Paares hatten nichts, aber auch gar nichts mit denen des anderen zu tun. Ja, nicht einmal das Wetter hatten sie gleich in Erinnerung. Es war einfach nicht die gleiche Reise gewesen. Es war eine andere Wahrheit, die hier zu Tage gekommen war. Während Hans an diese Begebenheit dachte, schmunzelte er, in dem angenehmen Gefühl, damals Menschen kennen gelernt zu haben, mit denen er sich auch heute noch „gelegentlich in kontroverser Weise“ freundschaftlich auseinandersetzte.

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